Was ist Hurerei?

Forum über Scheidung von Christen
Analgin

Was ist Hurerei?

Beitragvon Analgin » Samstag 7. Oktober 2006, 19:59

Ich habe eine kleine Anfrage. Ich bin seit 22 Jahren verheiratet und seit seit 7 Jahren lebe ich mit meiner Frau in einer Ehekrise. Die Gründe sind recht vielfältig. eines was mir insbesondere schwer fällt das sie meinen Glauben nicht teilen kann, obwohl sie früher sogar aktiv in der Gemeinde war. Sie hat sich immer mehr von Jesus entfernt. Das zweite Problem ist die Sexualität. seit 3 Jahren schläft sie nicht mehr mit mir. Sie sagte mir sie hat kein Vertrauen zu mir und ich wäre der falsche Sexualpartner. Selbst in den kurzen Zeiten wo es etwas aufwärts ging wollte sie nicht mit mir schlafen. Ich dachte schon das sie es einfach aus körperlichen Gründen nicht kann. Ich sprach sie darauf hin an und sie sagte mir das sie schon sexuelle Gefühle hat und sie sich seit einiger Zeit selbstbefriedigt. Das hat mich sehr beunruhigt. Ich schaffe es einfach nicht ohne sexualität zu leben von den Versuchungen mal ganz abgesehen. Zur Beratung waren wir auch aber leider ohne Ergebnis. Jetzt geht jeder für sich zu einem Berater. Aber es bringt nichts. Es tut mir leid aber ich denke, das wenn sich der Ehepartner verweigert und sich selbst befriedigt auch schon Hurerei ist? Ich habe schon alles versucht! Ich will damit nicht sagen das ich schuldlos bin.

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charly
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Beitragvon charly » Sonntag 8. Oktober 2006, 00:39

Hallo,
der Einfachheit halber wähle ich mal das im Internet übliche "Du" :-)

Ich kann dir lediglich meine Sicht dazu schreiben. Ganz sicher gibt es andere Ausleger, die dies ganz anders sehen.

Ich selber kenne diese Situatuation, denn ich lebte in meiner ersten Ehe fünf Jahre ohne sex. Begegnung mit meiner Frau. Dies war aber nicht der Grund, der zur Scheidung führte. Nun magst du dir schon denken können, wie ich das beurteile.

Nach meiner Sicht ist der Entzug der Sexualität keine Huerei, denn dazu gehört nunmal dass man zu einem Menschen ausserhalb der Ehe sex. Kontakt hat. Sex. Entzug ist meiner Meinung nach auch kein Scheidungsgrund.

Du schreibst:
Ich schaffe es einfach nicht ohne Sexualität zu leben von den Versuchungen mal ganz abgesehen.

Ich glaube dir, dass du das von dir meinst. Aber ich glaube ebenso, dass es keinen gesunden Menschen gibt, der seine Sexualität unbedingt leben muss.

Um das zu Erläutern schweife ich auf ein anderes Beispiel ab:
Was wenn eine Frau vor drei Jahren einen Unfall gehabt hätte und nun vom Hals ab gelähmt wäre? Sag nicht das wäre abwegig, sowas passiert oft genung. Was wäre dann? Da dann keine sex. Begegnung mehr zwischen dem Mann und seiner Frau möglich wäre, kann er sich scheiden lassen? Im Endeffekt wäre also der Unfall und die daraus folgende Krankheit ein Scheidungsgrund? Was denkst du, würde Gott zu dieser Situation sagen?
Oder ein Beispiel, was deiner Situation näher kommt:
Durch eine starke Diabeteserkrankung hat eine Frau keinerlei sexuelle Lust mehr und erlebt jegliche sex. Betätigung schmerzhaft. Ein Scheidungsgrund? Was denkst du sagt Gott dazu?

Ist es nicht möglich, dass die emotionale Entziehung, die du bei deiner Frau erlebst, viel schwerer auf dir lastet als der Entzug von Sexualität? Ist es nicht so, dass ihre Abweisung nicht in erster Linie bei dir einen Hormonstau bewirkt, sondern dich eine tief in deine Seele gehende Ablehnung spüren läßt? Ist die gemeinsame Sexualität nicht mehr Ausdruck echter Nähe als nur ein Lusterlebnis?

Ihr geht schon zu Beratern, was kann man euch/dir also raten? Ehrlich gesagt, weiß ich im Moment keinen Rat.

Ganz sicher wirst du Bibelausleger finden, die für sich zu der Erkenntnis gelangt sind, dass sex. Entzug doch ein Scheidungsgrund wäre.
Ok, aber was bringt dir das? Ist die Frage, ob du dich von deiner Frau trennst, nicht doch eine Frage, die du nur für dich alleine mit Gott ausmachen kannst? Steckt doch hinter der Beendigung einer Ehe - vor allem wenn sie schon so lange dauert - nicht noch soviel mehr, als nur einen konkreten Grund zur Scheidung zu finden? Ich denke schon.

Was bei mir Fragen aufkommen läßt, ist der Fakt, dass ihr immer noch verheiratet seid. Warum läßt deine Frau sich nicht von dir Scheiden, wenn sie andererseits nicht mit dir zusammen sein will? Was verbindet euch noch?

Charly
Trotz so manchem Tief das ich erlebt habe, immer noch oder gerade deshalb Christ :Charly-l

analgin

Berichtigung

Beitragvon analgin » Donnerstag 12. Oktober 2006, 19:15

Vielen Dank erst mal für deine schnelle Anwort. Ich muß gestehen das es nicht unbedingt das primäre Problem ist. Das tatsächliche Problem liegt einfach an der Basis unserer Beziehung. Sie ist leider in den letzten Jahren von Gott weggelaufen und will kaum etwas darüber wissen außer das sie noch kirchenmitglied ist (auf dem Papier). In den Gottesdienst gehe ich allein. Das fiel mir am Anfang sehr schwer. Gott hat mir gezeigt das ich loslassen soll. Er hat mir auch die Kraft dazu gegeben. Das war vor ca. 5 Jahren. Ich hoffte das es besser wird aber leider wurde es schlimmer. Ich spüre einfach das uns Welten trennen. Auf die Frage warum sie nicht geht, gibt es meiner Ansicht nach einen einfachen Grund. Ich bin Alleinverdiener und sie hat einfach Angst vor der Zukunft ohne finanzielle Absicherung. Ich habe daraufhin versucht ihr die Angst zu nehmen. Sie soll nicht wegen des Geldes bei mir bleiben sonder wegen mir. Was die Beratung betraf wollte ich mit ihr gemeinsam zu einem Seelsorger gehen. Das hat sie abgelehnt. Nach ihrer Meinung soll jeder zu seinem eigenen Seelsorger gehen (Was wir bereits tun). Meiner Meinung bringt uns das überhaupt nicht weiter. Ich weiß zwar das Gott Wege hat sie wieder zurück zu ihm zu bringen. Aber ich weiß das meine Frau sich letztlich selber entscheiden muß. Mir fällt es so schwer mit einem Menschen zusammenzuleben wo Gott nicht mehr im Mittelpunkt steht. Das ist für mich das wichtigste überhaupt in einer Ehe. Ich habe mich auch schon mit 1. Kor. 7 beschäftigt. Da ist es dem Christen geboten sich nicht zu trennen.
Ich denke ich habe genug geschrieben. Gottes Segen wünsche ich dir

Gast-Mithrandir

Es liegt an dir, Bruder!!!

Beitragvon Gast-Mithrandir » Mittwoch 22. Oktober 2008, 12:11

Es schreibt "Mithrandir", kein unbeschriebenes Blatt und frommer Besserwisser, sondern einer, der schon Ehebruch verübt und mitten in der von dir hinterfragen "Hurerei" gelebt hat.

Schade, daß der Artikel schon 2 Jahre alt ist, aber vielleicht liest ihn ja heute noch jemand ...

Bruder, wie kannst du nur deine Frau der Hurerei beschuldigen, wenn sie zwar noch sexuelles Verlangen hat, aber nicht mehr auf dich!

DU lässt sie doch permanent spüren, daß du besser bist als sie, weil du vermeintlich treu im Glauben stehst, sie sich aber abgewendet hat. WER ist denn das Haupt der Frau? WER soll dem Bild des Christus immer ähnlicher werden? Erstmal DU! Es ist uns Ehemännern gesagt: " Liebet eure Frauen, wie Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat." Der Christus ließ sich prügeln, anspeien und ans Holz hängen, als wir alle noch seine Feinde, auf der Flucht vor ihm und in unseren Lüsten glücklich waren. Bist du ansatzweise bereit und in der Lage, dich für deine Frau an jedwedes Kreuz von Selbstaufgabe schlagen zu lassen? Oder bist du ein "frommer Selbstgerechtler" geworden? Glaub mir, deine Frau kennt deine Schwächen, deine Sünden, deine Unzulänglichkeiten wie kein anderer Mensch auf Erden. Demütige dich vor ihr, und zwar nicht zu knapp!!! Sonst wird sie nie mehr "Bock" auf dich haben! (entschuldige Bitte die Haue, aber wir Männer haben dicke Schädel, da muß kräftiger hinlagen).

Du sagst, sie habe kein Vertrauen zu dir. Im sexuellen oder allemeinen Sinn? Das mußt du hinterfragen. Wenn sie sich dir unterordnen und hingeben soll, geht das nicht ohne Vertrauen. Sie ist "das schwächere Gefäß".

Dann zum Sex allgemein ... Sie hat offensichtlich Gefühle und Bedürfnisse, fühlt sich aber nicht mehr von dir angezogen. "Du seist nicht der richtige Sexpartner". Nun ist Selbstbefriedigung für Frauen wohl kaum die Erfüllung ihrer geheimsten Träume, aber sie lebt lieber mit dieser mageren Kost, als dich "ranzulassen". Woran kann das liegen?

Du hast offenbar kein Problem, sie zu begehren. Wie ist das bei ihr? Bist du noch leidlich attraktiv in ihren Augen? Wie wirken deine Statur, deine Körperpflege, dein Outfit und dein ganzes Sozialverhalten auf sie?

Dann zum Sex speziell? Was empfindet sie, wenn du mit ihr schläfst, hä? Ich weiß, das tut weh ... Weißt du, was sie angenehm empfindet? Kannst du die Tage, die Situationen und Momente spüren, wenn sie "in Stimmung sein könnte"? Was braucht sie? Dunkelheit, heimisches Bett, also viel Schutz und Gemütlichkeit? Oder ödet sie gerade das nach 20 Jahren an?

Wie gehst du vor? Hast du ein fast schon "notorisches" Ritual, das du abspulst, bis "du kommst", oder ist dein einziges, oberes und unendlich schönes Ziel für dich, sie auf Höhen zu führen (und deine Lust folgt sozusagen der ihren als "Abfallprodukt" nach ...).

Ich weiß, es ist schwer, über so was zu reden, wenn man sich ein halbes Menschenleben (vermeintlich) kennt. Aber du mußt es ganz, ganz behutsam versuchen. Bloß keine Forderungen stellen. Es gibt einen Spruch: "das langsamste Schiff steuert den Flottenverband". Sie gibt den Takt vor!

Wie gesagt, du must dich tief, schmerzlich und anhaltend vor ihr demütigen. Es kann sein, daß, wenn sie grundsätzlich will, du mit ihr noch einmal sexuell neu anfangen mußt wie die Teenager: mit scheuen Berührungen, Streicheleinheiten, experimentellem Stimulieren. Klingt lächerlich für gestandene Menschen mittleren Alters, aber es kann den Zauber, die längst vergessene Süsse dieser einzigartigen Frucht zurückbringen.

Ich habe mal einen beeindruckenden Pastor gehört, der mit breitem Grinsen verkündigte: "Natürlich musst du mit Heiligem Geist erfüllt sein, um mit deiner Frau zu schlafen".

Der Herr segne dich und sie. Er wird sich mit seiner ganzen Macht hinter dich stellen.


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