Psychische Krankheit des Partners - ein Scheidungsgrund?

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charly
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Psychische Krankheit des Partners - ein Scheidungsgrund?

Beitragvon charly » Freitag 21. Januar 2005, 22:59

Hallo,

was denkt ihr? Ist es legitim, wenn sich ein Ehepartner vom anderen scheiden läßt, weil dieser sich durch eine psychische Krankheit verändert hat? (z.B. Psychosen, u.ä.)
Oder muß die Ehe trotz allem weitergeführt werden?

Anmerkung:
Meine erste Frau war psychisch Krank. Allerdings war es für mich kein Scheidungsgrund. Immerhin wusste ich schon vor unserer Ehe, das sie krank ist.

Aber wie ergeht es euch? Was denkt ihr dazu?

Charly

oelbaum

Re: Psychische Krankheit des Partners - ein Scheidungsgrund?

Beitragvon oelbaum » Samstag 12. November 2005, 01:21

charly hat geschrieben:Hallo,

was denkt ihr? Ist es legitim, wenn sich ein Ehepartner vom anderen scheiden läßt, weil dieser sich durch eine psychische Krankheit verändert hat? (z.B. Psychosen, u.ä.)
Oder muß die Ehe trotz allem weitergeführt werden?

Anmerkung:
Meine erste Frau war psychisch Krank. Allerdings war es für mich kein Scheidungsgrund. Immerhin wusste ich schon vor unserer Ehe, das sie krank ist.

Aber wie ergeht es euch? Was denkt ihr dazu?

Charly


Mein Partner leidet an einer Psychose. Wir sind 31Jahre verheiratet, die Krankheit kam vor 18 Jahren zum Ausbruch, als ich mit dem 7.Kind schwanger war. Seine Krankheit ist nach außen gar nicht so schlimm, er "funktioniert", d.h. arbeitet.
In der Familie sieht es aber anders aus, und fast das Schlimmste ist, dass er fromm ist, denn es ist alles so ganz leicht verdreht .....Außerdem nervt er so unaussprechlich, dass wir es alle kaum ertragen können. Es gibt keine echte Kommunikation mehr zwischen uns und ich habe mich ihm - mit schlechtem Gewissen - körperlich und seelisch entzogen. Er versteht es halt überhaupt nicht wieso, das ist das Schlimmste......und wir finden nirgends Hilfe, weil es von außen so schwer ist, unsere Situation zu beurteilen.
Kurzum, wüßte ich nicht, dass Gott versprochen hat, mit der Versuchung den Ausgang zu schaffen, würde ich verzweifeln.
Ich würde mich gern trennen, aber ich schaffe es nicht. Ich glaube, ich habe vor allem Angst vor meinem eigenen schlechten Gewissen.

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Beitragvon charly » Samstag 12. November 2005, 12:49

Danke für deinen Beitrag.

Das ist ja schon eine recht lange Zeit, wo du/ihr mit der Erkrankung deines Mannes lebt. Sicher eine nicht immer einfache Zeit.
Gibt es denn auch bessere Zeiten bei euch? Also Zeiten, wo dein Mann weniger von seiner Krankheit beeinflusst ist?
Welche Therapieformen habt ihr denn bis jetzt versucht?

Hast du mit deinem Mann schon einmal darüber gesprochen, dass du den Gedanken in dir trägst, dich evtl. trennen zu wollen?
Aus eigener Erfahrung möchte ich dir Mut machen, denn Gott ist sicherlich an eurer Seite und weiß um das Sehnen deines Herzens. Gottes Nähe und seine Kraft haben auch mir in den Jahren immer wieder nicht nur das Durchhalten, sondern auch die Zuwendung zu meiner damaligen Frau gegeben.


Gruss, Charly
Trotz so manchem Tief das ich erlebt habe, immer noch oder gerade deshalb Christ :Charly-l

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Beitragvon oelbaum » Samstag 12. November 2005, 14:31

Hallo, Charly, danke für die Antwort!
finde es immer schwierig, die Geschichte konzentriert wiederzugeben.....Mein Mann ist in ärztlicher Behandlung und nimmt jetzt eigentlich ständig eine ganz geringe Dosis Medikamente ein. Ansonsten gibt es keine Therapie und er will auch keine. Er meint, ihm gehts gut und er hat kein Problem, wenn ich eins habe, dann soll ich mir eine Therapie suchen. Mit ihm hat das nichts zu tun......
Gute Zeiten.......ja und nein......unsere Ehe war schon vor akutem Ausbruch der Krankheit schwierig. Wir stammen auch noch aus verschiedenen Kuturkreisen, das macht es nicht einfacher. ich habe ihn geliebt, aber immer auch gefürchtet, ich dachte viele Jahre, ich muss einfach nur Unterordnung lernen.
Über Trennung haben wir vor einiger zeit gesprochen, damals hat er mich angefleht zu bleiben. ich erpresse ihn sonst, sich scheiden zu lasssen, denn er könne nicht allein leben. Gestern abend hatten wir Streit, weil er entgegen meinem ausdrücklichen Wunsch wieder in mein Zimmer gekommen ist, und ich bin ziemlich ausgerastet. meine Nerven liegen blank. Wollte mich heute morgen entschuldigen, da meinet er , es sei jetzt doch Zeit dass ich ausziehe, wir könnten nicht mehr zusammenleben.
Das Problem ist, wir haben noch 3 volljährige Kinder zuhause, die auf uns angewiesen sind. Der jüngste ist außerdem kriminell und drogenabhängig.
Ich bin nicht in der Lage, für uns alle zu sorgen, verdiene wesentlich weniger als mein Mann.
So siehts jetzt gerade aus......

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Beitragvon charly » Samstag 12. November 2005, 17:41

Hallo,

das ist ja eine sehr schwierige Situation iM bei euch :-(

Über die finanzielle Lage brauchst du dir nicht soviele Sorgen zu machen. Denn euch stände ja auch Unterhalt von deinem Mann zu. Natürlich würden die finaziellen Mittel schrumpfen, wenn ihr euch tatsächlich trennen würdet.
Aber Finanzen sollten nicht der eigentliche Grund sein, warum man zusammenbleibt.

Welche Rolle spielt denn der Glaube in euerem Leben? Teilt dein Mann auch deinen Glauben? Und geht ihr in eine Gemeinde?

Bei diesen ganzen Umständen und dem Druck den dies alles auf dich ausübt, hast du da mal drüber nachgedacht, dir tatsächlich eine therapeutische oder qualifiziert seelsorgerliche Unterstützung zu suchen?
Zu einer Therapie hinzugehen bedeutet ja nicht unbedingt, dass man Krank ist. In deiner Situation Jemanden zu haben wo man über alles mal offen reden kann, halte ich schon für gut.
Natürlich wäre es schön, wenn es Jemanden gäbe, der euer Beider Vertrauen besitzt und wo ihr auch ggf Gespräche zu Dritt führen könntet.

Was ich jetzt nicht ganz verstanden habe:
Du sollst nicht weggehen, weil du deinen Mann dann quasi zwingen würdest sich scheiden zu lassen, damit er sich Jemand neuen suchen kann? Warum sollst du bleiben? Ich hoffe doch nicht nur, damit dein Mann Jemanden fürs Bett hat, oder?

Gruss, Charly
Zuletzt geändert von charly am Samstag 12. November 2005, 23:04, insgesamt 1-mal geändert.
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oelbaum

Beitragvon oelbaum » Samstag 12. November 2005, 21:58

Ja, mein Mann teilt meinen Glauben, allerdings zweifelt er mein Verhältnis zu Gott oft an, bzw. meint er dass ich "nicht richtig stehe."
Wir waren fast 30 Jahren zusammen in einer Gemeinde. Mein Mann war dort sehr beliebt und geschätzt, und ich habe über viele Sachen geschwiegen, weil ich ihm dass nicht wegnehmen wollte. Allerdings wußte unser Prediger Bescheid, und zeitweilig war seine Krankheit auch offensichtlich.
In einigen Erziehungskrisen habe ich unseren Prediger auch angerufen, 2 oder3 mal vielleicht. Als unsere Tochter weggelaufen ist, durfte sie auch ein paar Tage bei den Predigersleuten wohnen, bis sie wieder heim wollte. Mein Mann war gegen die Kinder manchmal gewalttätig bis hin zu Drohungen wie "Ich bring dich um". Wenn ich dann dazwischenging, habe ich seine Erziehung unterminiert, deswegen bin ich auch an allem Schuld, was da dann schief gelaufen ist....(naja, ich geb meistens ihm die Schuld, bin auch nicht besser). Auf jeden Fall denken unsere Kinder oft nur mit Schrecken an ihre Jugend.
Nach unserer letzten Krise im Sommer hatte ich das Gefühl, dass es genug ist und wollte mit den Kindern ausziehen (war übrigens ein Rat von einem Bruder vom weißen Kreuz nach einer einmaligen telefonischen Beratung). Habe dann unseren Prediger informiert. Er sagte mir, dass ich das selbst wissen müsse, warnte mich aber, dass, wenn ich mein Kreuz absägen würde, dann hätte ich nachher zwei Kreuze....... Mit meinem Mann reden wollte er nicht, weil er gemerkt habe, dass das zwecklos sei(was stimmt).
Daraufhin habe ich die Gemeinde verlassen und mir eine andere in der Nachbarstadt gesucht, weil ich dachte, mein Mann bleibt dort, und ich wollte die Gemeinde nicht da hinein verwickeln, dass sie sich zwischen uns entscheiden müssten. Mein Mann ist aber auch gegangen, d.h. wir gehen jetzt in zwei verschiedene Gemeinden. Ich wollte auch nicht, dass er mit mir kommt, denn mir war wichtig, dass ich nicht wieder in die gleiche Falle komme, dass ich nicht offen reden kann........Da wo ich jetzt bin, fühle ich mich sehr wohl, aber die meisten sind jünger als ich und haben nicht so viel Erfahrung. (Nun, in der vorigen Gemeinde waren die meisten älter und wußte auch niemand Rat).
Seelsorge finde ich eine gute Idee, aber woher nehmen? Christliche Beratung kostet auch meistens nicht wenig; woher nehmen?
Mein Mann hat übrigens keinesfalls die Absicht, für uns zu zahlen, wenn wir nicht parieren, und ich brings nicht über mich, das gerichtlich zu erzwingen.
Vor allem beteuert er immer wieder, dass er mich liebt, und auf eine gewisse Weise ist das wahr......und natürlich fühlt er sich auch verletzt und gedemütigt, so von mir zurückgewiesen zu werden, aber ich kann einfach nicht mehr. Wir sind jetzt etwa ein viertel jahr nicht mehr zusammengekommen; er hat mich mal mit Gewalt geküßt, und versteht nicht, warum ich mich deswegen so anstelle, als ob er mich vergewaltigt.
Er kommt immer wieder in mein Zimmer und versucht mich rumzukriegen, obwohl ich ihm sehr deutlich mache (inzwischen; das war für mich sehr schwer!), dass ich nicht will. Dann macht er mir "biblische Vorwürfe", die mich, ich muss es zugeben, tief treffen.
Angeblich geht es nicht nur um Sex, sondern um gemeinsames Leben, aber wenn ich ein Problem habe, so ist das meine Sache, und mein Empfinden ist schon, dass es ums Bett geht......

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Beitragvon charly » Samstag 12. November 2005, 23:33

Seelsorgerich-therapeutische Bearung muss nicht unbedingt Geld kosten. Das hängt von ein paar Faktoren ab. Hier in unserem weiteren Umkreis gibt es zB mehrere Beratungsstellen der Baptistengemeinden, wo eine Beratung kein Geld kosten muss.
In anderen Beratungsstellen solttest du einfach mal nachfragen und ehrlich deine finanzielle Lage offenlegen. Sehr gut möglich, dass man dir da entgegenkommt.
Wenn du aber zu einem kassenanerkannten Therapeuten gehst, bezahlt die Kasse. Und ehrlich gesagt: auch christliche Berater sind nicht unbedingt besser, nur weil sie christlich sind ;-) Ob der Therapeut zu deinen Ansprüchen passt, kannst du ja in einem Erstgespräch abklären.

Ich empfinde es immer wieder als ein Elend, wenn geistliche Leiter in schwierigen Ehen sich nicht trauen, mit den Männern zu reden. Leider höre ich sowas immer wieder :-( Eigentlich wäre dies genau ihre Aufgabe. Aber ok, da ändern wir jetzt nichts dran.

Ich denke jetzt gerade an die Ehe meiner Eltern, die aufgrund von zunehmender Demenz meines Vaters immer schwieriger wurde. Meine Mutter konnte sich nicht wirklich gegen die Angriffe meines Vaters wehren und es wurde täglich schwerer für sie weiter mit ihm zusammen zu leben.
Warum schreibe ich jetzt davon? Weil es dann meine Sache war, ihr und ihm zu helfen. Es ging dann nur noch, indem sie auszog und wir ihn gemeinsam (incl. Pflegedienst nachher) betreuten.
Aber ich war es, der ihm deutlich Grenzen setzte!

Wäre es nicht schön, wenn deine erwachsenen Kinder sich auch mal einmischen würden?

Gerade wenn der Ehepartner psychisch Erkrankt ist, bedarf es manchmal auch konkreter Hilfe von vertrauten Dritten. Die Last die man als Partner zu tragen hat, ist oftmals dermaßen schwer, dass man froh ist, wenn auch andere mittragen.

Was die Finanzen betrifft:
Falsche Scham hilft da keinem weiter :-(
Und wenn du zum Sozialamt gehen müsstest, würden die Zuständigen dort sich schon darum kümmern, dass er zahlt.
Aber lassen wir dieses Thema einfach mal offen - das wäre etwas, dass erst mit Eintreten des konkreten Trennungsfalls akut wird.

Wenn er beteuert, dass er dich liebt, dann fordere von ihm da auch mal Liebesbeweise. Liebe richtet sich ja auf den Geliebten und ist kein Selbstzweck.
Hast du dir denn mal überlegt, was du dir von deinem Mann konkret wünschen würdest, damit er eine Chance hat deine Liebe wiederzugewinnen? Sind deine Wünsche so konkret, dass du deinem Mann hier diesbezüglich auch konkrete Vorschläge machen könntest?
Wie wäre es denn, wenn er mal wieder um deine Liebe werben würde ;-)

Kommunikationsstillstand hilft nur aus der Ehe heraus, niemals aber hilft er eine Ehe zu erhalten.
Was willst du mit deinem Rückzug eigentlich für dich und ihn bezwecken? Welche Ziele hast du dir gesteckt?
Ich könnte mir vorstellen, dass du zunächst Ruhe für dich suchtest. Ok, aber wo willst du deinen Mann noch Raum in deinem Leben geben - oder ist das schon endgültig vorbei?

Sei dir gegenüber mal ehrlich - wo willst du eigentlich konkret hin? Hinaus aus der Ehe? Um jeden Preis? Oder eine andere Ehe? Mit deinem Mann oder mit einem Anderen? Garkeine Ehe mehr?

Das waren auch Fragen, die sich meine Mutter stellen musste, als sie auszog. Letztlich haben wir erleben dürfen, wie sich mein Vater dann doch noch kurz vor seinem Tod inmitten seiner Demenz zu Gott bekehrte. Und heute ist meine Mutter froh, diese Schritte gegangen zu sein, ohne sich scheiden zu lassen.

Ich kann mir vorstellen, dass du schon seit geraumer Zeit über deine Lage nachdenkst und Auswege suchst.
Welchen Ausweg denkst du, möchte Gott dir denn bereiten?
Gott bereitet Auswege - oft andere als wir uns vorstellen.
Meine Mutter blieb verheiratet - ich wurde geschieden. Beides war der Weg, den Gott uns führte. Welches aber ist Gottes Weg für dich?

Gruss, Charly
Trotz so manchem Tief das ich erlebt habe, immer noch oder gerade deshalb Christ :Charly-l

oelbaum

Beitragvon oelbaum » Sonntag 13. November 2005, 15:58

Vielen Dank, Charly, dass du dir so viel Mühe machst, mir zu antworten. Was die Beratung anbetrifft, so habe ich schon Schwierigkeiten mit ungläubigen Therapeuten. Wie sollen sie zum Beispiel verstehen, dass es mir ein Problem ist, wenn mein Mann uns droht, wir würden bei der Entrückung unser blaues Wunder erleben? Werden sie nicht meinen, wir sind beide verrückt :roll: (nur so als Beispiel), wenn mich das innerlich beunruhigt.....Dass es mir auf den Wecker geht, wenn mein Mann den ganzen Tag fromme Lieder vor sich hinsingt, obwohl ich eigentlich fromme Lieder mag? Wenn er so manisch lacht und sagt, das sei die Freude am HERRN und mir seelsorgerliche Tips geben will.....Kann das kaum einem Gläubigen erklären, WIE mich das belastet. Und will auch Ungläubigen kein Futter für die Meinung geben, dass der Glaube krank macht.....selbst einige meiner Kinder haben da nämlich so ihre Zweifel.

Mein Mann und seine Kinder - das ist ein Thema für sich. Das sind die Letzten, von denen er sich was sagen lassen würde. Wer ihn irgendwie kritisiert, ist sein Feind. Er hat uns alle immer als feindliche Front empfunden - er hat ja halt auch einen Verfolgungswahn. Phasenweise läuft das mal besser, aber untergründig ist das immer vorhanden. Er ist weder konflikt- noch kritikfähig. Entweder er ist feindselig, oder wenn er gut drauf ist, ist er einfach nervig, redet viel, notfalls stundenlang und ist an Antworten nicht interessiert. Deswegen - ich habe nicht die Kommunikation eingestellt, sondern die gabs schon lange nicht mehr wirklich.....
Der Liebesbeweis, den ich gefordert habe, war dass wir eine Ehetherapie machen. Aber das kommt ihm nicht in die Tüte! Und wenn ich ganz ehrlich bin, GLAUBE ich auch nicht, dass es etwas helfen würde, höchstens vielleicht einen akuten psychotischen Schub auslösen, das spürt er vielleicht auch unbewußt. Und nun fordere ich einfach, dass er mein Distanzbedüfnis akzeptiert.
Du hast schon recht, ich will einfach meine Ruhe. Ich hätte gern so eine Art "Ehe auf Sparflamme", wo ich ihm den Haushalt mache, jeden Tag ein halbes Stündchen zuhöre.......und er sich nicht in meine Sachen und die der Kinder einmischt, uns vor allem mit seiner geistlichen Weisheit verschont. Aber das kann er halt nicht akzeptieren, er braucht ne Frau zum Schmusen und Küssen, ich denke auch für eine gewisse Selbstdarstellung....... Er wirbt schon auf seine Weise. Er hilft im Haushalt, nicht immer zu meiner Freude (z.B hängt er die ganze Wäsche um, die Bündchen in Richtung zur Sonne), er bringt Blumen.....aber mir wäre lieber wir könnten miteinander besprechen, wie wir Probleme in der Familie handeln.
Ja, was ist Gottes Weg für mich? Genau das wüßte ich so gern. Meine Tochter meinte neulich, wenn ich allein wäre, könnte ich Gott besser dienen, mit meinen Kindern kommunizieren, Leute einladen, mich frei bewegen......das hat was für sich, aberwill ER so von mir gedient haben, oder wäre das Eigenwille? Eine andere Beziehung strebe ich absolut überhaupt nicht an, es liegt ja auch kein Ehebruch vor, und ich bin schon Großmutter. Außerdem habe ich viel zu viel Angst davor, so etwas noch mal zu erleben. Nein, wenn ich ginge, dann um einfach ein Stück freier und handlungsfähiger zu sein.

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Beitragvon charly » Sonntag 13. November 2005, 16:30

Ich glaube du wärest erstaunt, wie gut sehr viele weltliche Therapeuten dich verstehen könnten, ganz ohne ein neues Vorurteil über chr. Glauben aufzubauen.
Das was du da beschreibst ist zB in geschlossenen Aufnahmestationen einer Psychiatrie etwas sehr normales. Da ich des öfteren Gelegenheit hatte meine erste Frau dort zu besuchen, weiß ich wovon ich rede.
Daher bin ich auch davon überzeugt, dass ein chr. Therapeut dich ebenfalls recht gut verstehen wird und die Abgrenzung zu einem gesunden religiösen Verhalten durchaus kennt. Zumeist sind es die Seelsorger, die sowas nicht verstehen, weil ihnen einfach einiges an Wissen und Erfahrung fehlt.

Man muss nicht selber Christ sein, um Respekt vor christlichen Leben zu haben. Und ich habe schon mehrfach erleben können, dass weltliche Therapeuten sehrwohl gut mit Christen arbeiten können, ohne den Glauben in Frage zu stellen oder gar den Christen vom Glauben wegbekehren zu wollen.

Ich kann recht gut nachvollziehen, was du über deine Wünsche schreibst. Bei meiner Mutter hieß es dann ja letztlich, dass sie ausgezogen ist.
Aber was dein Weg mit Gott ist, kannst du nur für dich im Gespräch mit Gott herausfinden. Egal wie du dich entscheidest, du wirst immer Kritiker finden, die meinen es besser zu wissen wie du. Scher dich nicht darum! Sie sind auch nicht bereit dein Leben selber zu leben.

War dein Mann eigentlich schon einmal in einer Klinik? Oder hast du seine Psychosen selber er/getragen? So wie du ihn beschreibst, wirkt es so, als müsse er immer wieder mal in die Klink, oder liege ich da jetzt falsch?

Mein Vater war auch gegen mich, als ich erwachsen war und ein eigenes Leben führte - vor allem aber nachdem ich mich bekehrt hatte, sehr kritisch eingestellt. Und ich wäre der letzte gewesen, von dem er sich etwas hätte sagen lassen.
Als ich aber meinem Vater deutliche Grenzen in Bezug auf meine Mutter setzte, änderte sich das nach und nach. Schon deshalb, weil er erkennen musste, dass ich mich von seinem Schimpfen nicht beeindrucken ließ. Er realisierte, dass es zu seinem Nutzen ist, dass ich mich so kümmere. Und als meine Mutter nicht mehr bei ihm lebte und ich eine zeitlang die Einkäuf alleine zu ihm brachte, verbesserte sich unser Verhältnis zusehens.
Könnte ich deinen Kinderen einen Rat geben, ich würde sie ermutigen einen klaren Standpunkt zu beziehen, egal wie ihr Vater zunächst reagieren sollte.

Was du von seinen recht eigenen Liebesbeweisen schreibst kommt mir in der Art sehr bekannt vor. Kannst du sie als solche eigentlich noch wertschätzen - auch dann, wenn sie dir nur zusätzliche Arbeit verschaffen?
Eine Ehetherapie kann tatsächlich viel zu viel sein. Warum fragst du eigentlich nicht den behandelnden Psychiater deines Mannes, ob er dich nicht auch in die Therapiegespräche mit einbeziehen kann?

Charly
Trotz so manchem Tief das ich erlebt habe, immer noch oder gerade deshalb Christ :Charly-l

oelbaum

Beitragvon oelbaum » Sonntag 13. November 2005, 19:31

Lieber Charly, meine Kinder sind zum Teil leider selbst nicht so stabil.
Mein erster Anlass zur Trennungsabsicht war die Selbstverletzung meiner Tochter nach einer Auseinandersetzung von Bruder und Vater am Abendbrottisch. Sie sagte, sie will so nicht mehr leben.......
meine Söhne waren so "aus dem Leim", dass ich Angst hatte, dass sie den Vater erschlagen.....
Mein ältester Sohn kam dann, um sich um seine Schwester zu kümmern und sagte dem Vater "die Meinung", wobei er in einigen Punkten übers Ziel hinausgeschossen ist. Mein Mann hielt das alles nur für eine "Inszenierung". Meine älteste Tochter hat Panik davor, ihrem Vater zu begegnen. Sie fürchtet sich vor seinem Lachen, meint, das hat was von Besessenheit (obwohl sie kein Christ ist).......Den anderen empfehle ich immer, im Interesse ihrer seelischen Gesundheit möglichst einen Bogen um den Papa zu schlagen. Für ihn sind die alle nicht qualifiziert, ihm was zu sagen. Entweder sind sie Gottlose oder wenn sie bekehrt sind, dann sind sie auf der falschen Linie. Er hat Lebens- und Glaubenserfahrung und erfährt anscheinend immer wieder die Bestätigung von Gott, im Recht zu sein :cry: .....Wenn er sehr erschüttert und verwirrt ist, entschuldigt er sich auch schon mal für alles und jedes, aber er nimmt es indirekt anschließend wieder zurück.
In der Klinik war er nie. Er war beim ersten Schub 11 Wochen krank geschrieben, dann ging er wieder arbeiten. Wie gesagt, er funktioniert! Das ist so merkwürdig......und Fremde merken es oft gar nicht, finden ihn mal zurückgezogen, mal aufgekratzt, schieben sicher auch manches auf ein fremdes Temperament, eine andere Kultur......
Ich habe meine eine Tochter gebeten, sich das hier bei Gelegenheit mal durchzulesen und vielleicht auch was dazu zu sagen, wenn sie mag. Ich habe oft ein schlechtes Gefühl, wenn ich mit den Kindern über den Vater rede, aber genau genommen, sind sie die einzigen, die wissen, was bei uns abgeht.....

oelbaum

Beitragvon oelbaum » Sonntag 13. November 2005, 19:37

Vielleicht müsste ich noch dazu sagen, dass er eine gewisse Macht über unser aller Gewissen hat. Es ist ja auch nicht alles immer falsch, was er sagt, und es war mir immer ein Anliegen, dass die Kinder ihn respektieren.
Mein Sohn sagte neulich, er habe erst mit 17 Jahren erfahren, dass sein Vater "verrückt ist", bis dahin habe er immer geglaubt, er selbst sei "schlecht".
Hab mir inzwischen sagen lassen, dass das kein seltenes Phänomen bei Kindern psych. kranker Eltern ist.

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Beitragvon charly » Sonntag 13. November 2005, 19:59

Desto mehr du hier schilderst möchte ich euch als Angehörige dringend den Besuch einer Angehörigengruppe anraten. Informationen dazu gibt es sicher in der nächsten Klink mit psychiatrischen Abteilung oder bei der Stadt, kirchlichen Beratungsstellen oder Internet. Und Bitte: Mache den Besuch einer solchen Gruppe nicht von einem irgendwie gearteten christlichen Hintergrund abhängig! Ihr werdet sehen, dass ihr eine Menge an Verständnis und Rat finden werdet!

So manches was du erzählst ist so typisch für Familien mit psychisch kranken Elternteilen. Und es ist bedauerlich, dass ihr nicht viel früher Hilfe von Aussen gesucht habt. Ihr habt ja keinerlei Hilfe und Rat, wie ihr euch von der Krankheit abgrenzen könnt, ohne euch vom Kranken abzuwenden :-(
Und was du von den Reaktionen der Kinder erzählst macht mich traurig.

Ich habe aber doch richtig verstanden, dass dein Mann in regelmäßiger Behandlung eines Psychiaters ist, oder? Und er nimmt Medikamente?
Oder ist das auch nicht der Fall?
Ich vermisse auch, dass ihm eine Krankheitseinsicht vermittelt worden wäre - also das er versteht, dass er krank ist und nicht ihr oder alle Anderen. Für sowas ist der Arzt, der Therapeut oder eine Klinik gefragt.

Also bevor du konkret über Trennung nachdenkst, informiere dich bitte, welche Hilfen es für euch als Angehörige in euerem Umfeld gibt. Sieh zunächst einmal, was es an besseren Lebensgestaltungen für euch gibt, bevor ihr der Ehe einen Schlusspunkt setzt.
Ich weiß allerdings auch, dass es auch hier ein "zu spät" geben kann - siehe meine Mutter zB. Aber schaut, was ihr für euch noch machen könnt.

Wie auch immer, es scheint mir auf alle Fälle auch für dich und deine Kinder ratsam, wenn ihr eure Geschichte mit therapeutischer Hilfe gemeinsam aufarbeiten könnt. Da scheint es ja doch einiges an seelischen Verletzungen zu geben.

Gruss, Charly
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oelbaum

Beitragvon oelbaum » Dienstag 15. November 2005, 21:59

Hallo Charly, musste jetzt erst ein wenig nachdenken.....
Ja, mein Mann ist, wie gesagt, in Behandlung, was bedeutet, dass er etwa alle 3 Monate zum Psychiater geht, um sich neue Medikamente zu holen.
Leider hat er auch eine chronische Hepatitis, die sich nicht mit allzuviel Medikamenten verträgt.
Ich bin froh, dass er überhaupt da hingeht und was nimmt. Wir waren auch schon zusammen zum Gespräch dort, aber ich fand es eher frustrierend. Die Ärztin will nur in Anwesenheit meines Mannes mit mir sprechen, schon verständlich, aber für mich doch eher schwierig, weil ich diejenige bin, die anschließend mit ihm nach Hause geht.....
Nach Angehörigengruppen hatte ich mich auch schon erkundigt. Das Problem ist, dass dort meist nur Eltern von Patienten sind. Die Konstellation ist aber sehr anders. Mein Mann ist der Herr dieses Hauses, was zum Beispiel auch bedeutet, dass er ohne Skrupel die Freundin seines erwachsenen Sohnes rausschmeißt, und zwar nicht etwa wegen Unzucht unter unserem Dach, sondern "weil ich die hier nicht haben will". Ein paar Wochen früher hat er dieses Mädchen noch eifrig evangelisiert :cry:, seine Diagnose lautete dann: Die ist nicht wiedergeboren, such dir eine bessere(Mein Sohn hatte sich gerade bekehrt und war vorher schon mit diesem Mädchen liiert) . Eigentlich sollte ICH sie rauswerfen, aber diesmal habe ich mich geweigert, und er hat es nicht etwa in ihr Gesicht gesagt, sondern ein Stockwerk höher gebrüllt, dass sie das Haus verlassen soll.
Und man kann da nichts machen. Er "mußte das tun". Pech für die anderen Beteiligten, wenn sie dann irgendwelche Gefühle haben.
Müßte man ihm darin nicht gehorchen, wäre es emotional eher möglich zu sagen:"Er ist halt krank." Da liegt das Problem.
Ich werde trotzdem noch mal einen Anlauf machen und nach einer Gruppe oder Therapie schauen. Vielen Dank!!

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Beitragvon charly » Dienstag 15. November 2005, 23:54

Möglicherweise gibt es noch eine Stelle, wo du dich nach einer solchen Gruppe erkundigen kannst - und zwar (jetzt bitte nicht wundern ;-) ) bei einer Altentagesstätte. Oftmals gibt es dort Gruppen für Angehörige dement Erkrankter. Möglicherweise haben die auch Adressen von Angehörigengruppen, die besser passen.

Die Ärztin darf idR keine Therapiegespräche mit Angehörigen ihrer Patienten ohne die Anwesenheit des Patienten durchführen. Anders wäre es bei systemischen Therapeuten, die aber idR dann keine Psychiater sind und somit auch keine Medikamente verschreiben dürfen.

Es erscheint mir wichtig zu sein, dass du und deine Kinder in eurem Selbstbewusstsein gegenüber deinem Mann gestärkt werdet, so dass ihr nicht so sehr sein Leben leben müsst. Auch psychisch Kranke müssen verstehen lernen, dass sich die Welt nicht nur um sie dreht.

Ich bete dafür, dass Gott euch sicher führt und euch Wege eröffnet.

Gruss, Charly
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