Scheidung schon nach zwei Jahren Ehe...???

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Julia

Scheidung schon nach zwei Jahren Ehe...???

Beitragvon Julia » Mittwoch 12. November 2008, 00:20

Hallo, ich bin seit zwei Jahren verheiratet. (ich 23, er 25, beide Studenten)
Mein Mann und ich haben uns in der Oberstufe kennengelernt, waren zuerst etwas mehr als ein Jahr gute Freunde bis die Liebe ins Spiel kam.
Das Sprichwort "Gegensätze ziehen sich an" hat sich in unserem Fall bewahrheitet. Allerdings kann ich inzwischen unsere stark gegensätzlichen Charaktere nicht mehr optimistisch als "Ergänzung" ansehen.
Es sollte zu unterschiedlichen Menschen verboten werden zu heiraten!!!
Wir kommen auf keinen grünen Zweig mehr.
Zudem leidet mein Mann unter einer Angsterkrankung. Diese Erkrankung hat sich eigentlich erst nach 1,5 Jahren Beziehung richtig gezeigt: Immer öfter kamen seine Angstattacken und vor immer mehr Dingen hatte er plötzlich Angst. Erst Anfang dieses Jahres war er endlich bereit eine Therapie zu beginnen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass kaum Fortschritte geschehen. Meiner Ansicht nach zeigt er auch wenig Engagement. Meine Hoffnungen bald einen gesunden Mann an meiner Seite zu haben, mit dem ich etwas erleben kann, sind zerschlagen.
Ich kann eigentlich alle meine Lebensträume platzen lassen.
Keine Skiurlaube, keine Flugreisen, keine Abenteuer, keine Überraschungen... ich fühle mich wie in einem Gefängnis.
Dazu kommt, dass wir auch nicht fähig sind zusammen zu arbeiten.
Gemeinsame Projekte in der Gemeinde kann ich knicken.
Es gibt nichts gemeinsames das schöne Erinnerungen schafft, nur ein kräftezehrender Alltag.
So habe ich mir Ehe nicht vorgestellt! In einigen Jahren wollten wir eigentlich eine Familie gründen, aber unter das will ich keinem Kind zumuten.
Ich will nicht mehr mit einem kranken Mann zusammen sein, der nichts gegen seine Krankheit tut, der so lasch und schlapp ist, der sich so hängen lässt. Selbst um seine Uni-Prüfungen muss ich zittern. Er zeigt in dieser Hinsicht nur wenig Verantwortungsbewusstsein.
Ich glaube, wenn es als Christ erlaubt wäre vor der Ehe schon zusammen zu wohnen, würden manche Ehen gar nicht zustande kommen.
Aber ich als Pastorentochter musste natürlich voll funktionieren. Denn in mein Leben mischt sich die ganze Gemeinde ein, alles unter dem Deckmantel der "Sorge"... hahaha und jetzt stehe ich vor den Trümmern meiner Beziehung und will raus aus diesem Gefängnis und darf nicht! Toll!

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charly
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Beitragvon charly » Mittwoch 12. November 2008, 14:09

Hallo Julia,

mir scheint eher du stehst vor den Trümmern deiner recht irrationalen, wenn auch sehr romantisch verbrämten, Träume.

Deine Wünsche sind zwar nachvollziehbar, aber deine Enttäuschung auch. Vieles hätte vor der Hochzeit besprochen werden sollen, denke ich.

Nicht ein von dir angeführter Grund rechtfertigt eine Scheidung.
Du hast dir offensichtlich vor der Heirat wenig Gedanken gemacht. Das hat mit eurer Unterschiedlichkeit wenig zu tun, wie mir scheint. Wenn ich mich nicht irre ist es vielmehr die psychische Erkrankung deines Mannes, was dir so zu schaffen macht.

Du solltest dich mMn Gedanken darüber machen, wie du zu solch einer egoistischen Eheeinstellung gekommen bist und was Ehe nun wirklich bedeutet.
Evtl. hilft dir als Christ dabei, wenn du Gott und sein Wort einmal dazu befragst.

Desweiteren empfehle ich dir eine Angehörigengruppe von psychisch Kranken zu suchen. Dort wird man dir mit der Einschätzung des Verhalten deines Mannes und dem wie es dir dabei ergeht gut helfen können.

Was hast du noch am Traualtar deinem Mann versprochen: "Dir treu zu sein in guten wie in schlechten Zeiten"?

Charly
Trotz so manchem Tief das ich erlebt habe, immer noch oder gerade deshalb Christ :Charly-l

Gast - merciful savior

Beitragvon Gast - merciful savior » Freitag 14. November 2008, 15:10

Hallo Julia.

Mein armes Kind, wie kann man dir nur helfen?

Entschuldige, daß ich dich so nenne, aber du bist kaum älter als meine Tochter, die jetzt auch schon ein Jahr verheiratet ist. Ich stelle mir einfach vor, daß sie zu mir kommt und sich so ausweint, wie du in deinem Beitrag, und das rührt mich halt zu so einem Spruch ...

Grundsätzlich hat Charly Recht, da ist nichts gegen einzuwenden. Dein Eheversprechen ist bindend, Scheidungsgründe sind in der von dir geschilderten Situation aus der Bibel nicht abzuleiten.
Aber, ist das wirklich die ganze Antwort? "Sorry, you lose? Lebenslänglich, und zwar auf eigenen Wunsch? Vertrag auf Lebenszeit geschlossen, Umtausch nicht möglich?" Ist Gott am Ende selbst so drauf? Hat er dich so, wie du sicher warst, voller Hoffnung, Liebe, Romantik und Zärtlichkeit in eine Ehe gelockt, die sich jetzt als Ende aller Träume und Anfang eines langjährigen Albtraums entpuppt? Man liest zwischen den Zeilen, daß du jetzt mit Gott als Geber "harter" Gebote haderst, mit der christlichen Gesellschaft ohnehin, evtl. enttäuscht bist, das Gott deine Lebensträume nicht verwirktlich.

Ich muß dir unbedingt sagen: Wenn du Gottes Kind geworden bist, wenn du ihn und sein Heil angenommen hast, wenn du von neuem geboren wurdest, der heilige Geist auf dich gekommen ist (das muß erwähnt werden, denn Christ ist halt nicht automatisch Christ ...), dann liebt Gott dich über alle Maßen! Er will und wird alles tun, dich zur Vollendung zu führen. Er will dich mit Gutem überschütten und dich dazu befähigen, daß "aus deinem Leib Ströme des lebendigen Wassers fließen". Wenn er dich ansieht, sieht er Christus, seinen vielgeliebten Sohn, nicht dich mit all deinen Schwächen und Fehlern!! Das muß dir klar werden! Gott sucht das absolut beste für dich!!!

Aber, nirgendwo hat er dir versprochen, dir DEINE Lebensträume zu erfüllen! Glaub mir, ich habe ganz viel Verständnis dafür, daß du dir "Skiurlaube, Flugreisen, Abenteuer, Überraschungen" und "gemeinsame Dienste in der Gemeinde" wünschst. Gott will dich über die Maßen segnen. Er geht dabei weit über das hier und jetzt oder die nächsten vor dir liegenden Jahre hinaus. Er bezieht die ganze Ewigkeit mit ein.

Es mag in unseren Augen so erscheinen, daß Gott uns dadurch am meisten segnet, daß er uns "ein kleines Stück Glück" für heute gibt. Neben gutem Job, nettem Verdienst, schicke Karre (eher Männersache ...) natürlich einen Partner, der - im gemeinsamen Glauben stehend - attraktiv, sexy, romantisch, spontan und geistreich ist, ebenso ehrlich und fürsorglich usw.. Ein solches Leben zu leben, wünscht sich jeder. Es ist vergleichsweise leicht.

Aber: Gott will dich MEHR segnen! Er weiß, daß dieses Leben unbeschwert und leicht wäre. Es würde dich kaum Mühe kosten, fordert keinen besonderen Glauben, du müsstest nie an die Grenzen gehen und lauthals und verzweifelt nach seiner Gnade schreien! Dein Herz würde auch nicht besonders "weich" geklopft werden für die Nöte und Schwierigkeiten anderer, weil du ja ein "perfektes" Leben führst.

Glaub mir, dein eigener Text lässt dieses Defizit schon erahnen ... Du sagst: "Ich will nicht mehr mit einem kranken Mann zusammen sein, der nichts gegen seine Krankheit tut, der so lasch und schlapp ist, der sich so hängen lässt. " Wammmm ... Weißt du, ein besonderes Problem bei psychischen Krankheit ist, daß der betreffende sich durch Selbstdisziplin nicht heilen kann. Er zappelt hilflos in einem Netz, das er sich manchmal selbst umgeworfen hat.

Also: willst du Gott vertrauen, daß er mit dir, durch dich und für dich ungeahnte "Schätze für die Ewigkeit" schaffen und sammeln will, wenn du jetzt standfest bleibst, die Treue hältst, deine Träume und Wünsche nicht begräbst sondern in Gottes Hand legst und deinen Mann weiter liebst???

Ich musste diese Entscheidung vor einiger Zeit sehr schmerzhaft für mich treffen. Ich habe meine Frau nach 20 Jahren erstmals, aber dafür ganz massiv betrogen. Ich gab diese falsche Beziehung auf, meine Frau hat mir vergeben, aber wir arbeiten und leiden immer noch unter den Folgen! Ich habe mich dafür entschieden Gott zu vertrauen, obwohl die Zweifel, Sehnsüchte, Bindungen und die Mühsal mich oft genug knechten.

Okay, der Artikel hat schon Überlänge, aber trotzdem noch ein paar Sprüche von Oswald Chambers (der vor rd. 90 Jahren, jünger als ich noch heute, mit "standing Ovations" im Himmel empfangen wurde):

"Will ich mich Jesus unterordnen und keinerlei Bedingungen stellen? Alles andere ist religiöser Selbstbetrug."

"Jesus hat gesagt, dass es Zeiten gibt, in denen Gott die Dunkelheit um dich nicht lichten kann, und dass du ihm dann vertrauen musst."

"Wein gewinnt man nur, indem man die Trauben auspresst. Falls du eine schöne, runde Traube bleiben willst, musst du Gottes Hand ausweichen"

"Wir haben nicht das Recht, unser Opfer für Gott auszuwählen. Gott wird uns erkennen lassen, worin es liegt"

"Achte darauf, nicht dem nachzuhängen, was du einmal warst, wenn Gott dich so gestalten will, wie du noch nie warst"

"Erwarten wir etwas vom Leben oder von Gott?"

"Glauben ist ein ungeheueres Wagnis ohne Sicherheit: Ich muß glauben, dass Gott gut ist, trotz all meinen Erfahrungen, die dagegen sprechen."

"Glauben ist kein Handel mit Gott. Wir sollen an Gott glauben, nicht an seine Wohltaten."

"Alles, was jetzt noch dunkel und unverständlich ist, wird eines Tages ganz klar sein, herrlich und strahlend."

Gott segne dich, Julia. Halte stand! Du wirst nie wirklich glücklich sein, wenn du ihn jetzt verlässt, nicht jetzt!!! Mag sein, daß all deine Kraft nach Jahren verzehrt ist und die Situation immer schlimmer wird. Kann sein, daß ER dann irgendwann leise zu deinem Herzen spricht: "Es reicht jetzt, mein Kind! Komm, wir gehen jetzt. Du hast genug getragen. Jetzt trete ICH für dich ein". Das mögen Momente sein, wo man eine völlig aussichtslose Ehe aufgeben kann. Aber nicht jetzt, nicht nach 2 Jahren!!!

Wenn du deinen Mann jetzt weiterliebst, wird es dir vielfach vergolten werden. Gott lässt sich nicht lumpen. Lohn in der Ewigkeit, hatten wir schon gesagt. Und "... Friede auf Erden ..."

Rebekka

Ich kann Dich verstehen

Beitragvon Rebekka » Montag 23. März 2009, 16:14

Hallo Julia,

ich habe eben Deinen Beitrag gelesen und kann Dich nur zu gut verstehen. Was ich nicht verstehen kann sind die beiden Antworten auf deine verzweifelte Nachricht.
Ich frage mich ob Du das hier überhaupt noch liest, dein Beitrag ist ja schon eine ganze Weile her. Aber gleichzeitig kann ich dazu nicht still sein. Nur zu gut kenne ich dieses Gerede von wegen "Du mußt noch länger aushalten" und "Das ist doch alles kein Grund für eine Tennung".
Auch ich bin gerade in Trennung und hadere damit ob es richtig ist, meinen Mann "schon" nach 2 Jahren Ehe zu verlassen. Natürlich gibt es immer Menschen, die anderer Meinung sind als man selber und auch immer genügend andere, die meinen man sollte noch länger ausharren.
Und ich bin selber auch der Meinung, daß man eine Ehe nicht leichtfertig scheiden soll.
Nur, wer entscheidet letztlich was leichtfertig ist und was nicht? Wer kann sagen ob deine persönliche Belastungsgrenze erreicht ist? Das kannst letztlich nur Du selber wissen. Du weißt ob Du alles für Dich mögliche getan hast und Du weißt wie es Dir geht und ob Du mit Deinem Mann leben kannst oder nicht. Laß Dir von niemandem einreden, was Du tun mußt oder sollst. Wenn jemand der Meinung ist, Du kannst das schon aushalten, dann kann dieser Jemand ja gerne mit Deinem Mann zusammenleben. Ich kann mir einfach nicht vostellen daß es Gottes Wille sein kann, daß Du unglücklich bist. Und ich bin mir sicher (das ist ehrlich gesagt mein eigener Rettungsanker) daß Gott Dir sehr wohl zeigen kann was sein Weg für Dich ist. Und das kann auch sein, daß Du Deine Ehe beendest.
Versteh mich nich falsch, ich will Dir nicht sagen Du sollst Dich trennen. Aber ich kenne aus eigener Erfahrung die Tatsache, daß es in einer christlichen Familie einfach nicht gestattet ist, diese Möglichkeit auch nur in Betracht zu ziehen. Und da wehre ich mich selber vehement gegen.
Gott hat uns Wahlfreiheit gegeben. Ich denke, Gott ist niemand der sagt wenn Du eine falsche Entscheidung getroffen hast oder sich Umstände geändert haben, daß Du dann auf Biegen und Brechen an Deiner Entscheidung festhalten mußt. Gott ist "menschlicher" als wir uns vorstellen können, das glaube ich wirklich. Und leider sind manche Menschen um einiges grausamer als es Gott lieb sein könnte.

Liebe Julia, wenn Du das liest, dann fühl Dich feste gedrückt. Wäre schön zu hören, wie es Dir geht!

Rebekka


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