Wo beginnt Ehebruch?

Forum über Scheidung von Christen
Susi27

Wo beginnt Ehebruch?

Beitragvon Susi27 » Samstag 22. November 2008, 18:29

Hallo,
ich habe alle Berichte und Erläuterungen über Scheidung und Wiederheirat aufgearbeitet und ich sehe das alles auch ganz genauso, Deswegen quäle ich mich nach 14 Jahren Ehe immer noch do durch, weil die Ehe heilig ist. Nu ist es aber so, dass nach 4 Jahren Ehe ich unser zweites (und letztes) Kind damals erwartete und mir riss es den Boden unter den Füßen weg, als ich zufällig merkte, dass mich meine Ehemann virtuell betrog. Mich hat es besonders geschockt, weil er in unserer Gemeinde immer rigoros die Unzucht verurteilte und nun irgendwie selber darin verstrickt war. Es tat ihm leid, wir beteten darüber, aber ich fühle seit 10 Jahren keine eheliche Liebe mehr. Sie ist einfach erloschen, weil er mein Vertrauen missbrauchte und ich vor 2 Jahren wieder zufällig sah, dass er im Internet wieder aktiv war. In der Bibel gibt es zum virtuellem Betrug keine Stelle, aber ich fühle mich genauso betrogen und darf mich nicht trennen? Ich würde gerne wieder frei sein, auch für mich selber.

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Beitragvon charly » Samstag 22. November 2008, 18:41

Hallo Susi,

es tut mir leid wie es dir ergeht. Deine Enttäuschung und dein mangelndes Vertrauen kann ich nachvollziehen.

Wenn ich das lese, was du schilderst, frage ich mich, ob bei euch nicht ein fataler Kreislauf eingesetzt hat. Dein Mann hat dich virtuell betrogen - was das auch immer heißt. Nun vertraust du ihm nicht mehr - was zur Folge hat, dass du dich innerlich von ihm distanzierst. Das spürt er und leidet auch darunter - auch wenn er als Mann das womöglich nicht zeigt. Er erlebt jedenfalls ein Defizit und tendiert dazu, weil er bei dir keinen Zugang mehr findet, seine Sehnsüchte woanders zu stillen. Wer von euch beiden trägt da mehr Verantwortung? Er, der dir nicht so treu war, wie du es dir gewünscht hast, oder du, der ihm das Vertrauen nachhaltig entzogen hast?

Wenn du mit "virtuellen Betrug" Onlinepornographie meinst, wäre das alleine noch kein biblischer Scheidungsgrund. Das fällt zwar unter das, was Jesus hier sagte, ist aber trotzdem kein Scheidungsgrund:
Matthäus 5:28 Ich aber sage euch, daß jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. (rev. Elb) Hier steht im griech. "moicheo" für Ehebruch - der von Jesus angegebene Scheidungsgrund wäre aber "porneia". (Siehe meine Ausarbeitung unter "Buchempfehlungen".)
Jesus sagt zwar sehr deutlich, dass Derjenige, der jemand anderen als seinen Ehepartner begehrlich ansieht, in seinem Herzen zwar schon Ehebruch begeht, aber was wenn ER hier schon Scheidung gestatten würde? Welche Ehe könnte dann nicht sofort geschieden werden? (Und das bei weitem nicht nur, weil Männer alleine begehrlich das andere Geschlecht ansehen, das tun auch Frauen)
So können wir feststellen, dass die Ehe immer durch Handlungen, Gedanken und taten gebrochen wird, die diesem Ehebund entgegenstehen. Nur wird dadurch der Bund noch nicht ungültig.

Wäre es nicht vielmehr angesagt, dass ihr Beide anfangt intensiv an eurer Ehe zu arbeiten, statt sie aufgeben zu wollen?

Gruß, Charly
Trotz so manchem Tief das ich erlebt habe, immer noch oder gerade deshalb Christ :Charly-l

Susi27

Beitragvon Susi27 » Samstag 22. November 2008, 19:15

Vor zwei Jahren hatten wir lange Gesprächszeiten. Wir haben beide lange darüber gebetet und wir wollten Gott vertrauen, auch wenn ich gar keine Gefühle mehr für ihn hatte. -
Es war nicht nur einfach ein Aufrufen im Internet, schon aktiver. Das allein wäre es vielleicht auch nicht gewesen. Wenn du aber einen Mann hast, der woanders Pornografie bis heute verurteilt und in der Gemeinde den "Saubermann spielt" , dann verliert man die Achtung. Kurze Zeit später hatte es wieder angefangen, ich kann nicht alle paar Monate einen Neuanfang starten, meine Kraft reicht dafür nicht aus. Eine Paar-Therapie möchte er nicht. Er meint, das ließe sich allein mit Gebet regeln, aber da ist zuviel im Argen. Wenn wir bei seinen Eltern sind (Vater Ältester) , dann ist er immer jemand, der über Ehebrcher herzieht, so eine Unehrlichkeit ist halt schwer zu ertragen. Wenn ich ihn damit konfrontiere, findet er das albern.

Grüße, Susi

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Beitragvon charly » Samstag 22. November 2008, 20:52

Nun, das eine wäre, dass du ihn unter Druck setzt und ihn aufforderst eine Therapie wg seinem Pornokonsum aufzusuchen und zum anderen diese Schauspielerei nicht weiter mitmachst.
Warum, frage ich mich, spielst du da mit? Es ist sicherlich kaum angebracht ihn vor der ganzen Gemeinde zu outen, aber warum dies nicht in der Familie besprechen?

Du solltest ihm auch klar machen, dass du dieses vertrösten auf Gebet alleine nicht hinnehmen willst, wenn sich offensichtlich dabei nichts entwickelt.

Mach ihm klar, dass du kurz davor stehst euer Ehedilemma öffentlich zu machen. bevor du von Scheidung redest, spreche zunächst vom einbeziehen Dritter oder räumlicher Trennung. Das mag dir jetzt evtl. fast unmöglich erscheinen, aber glaub mir, du kannst mehr in eurer Ehe verändern, als du jetzt glauben magst.

Nochmal komme ich auf deine Rolle zurück: warum hältst du so lange still um dann ohne Konsequenzen ausbrechen zu wollen? Mache dir bitte Gedanken darüber.

Was die Gefühle betrifft, sollte dir klar sein, dass diese nachfolgend sind. Das bedeutet, dass die Gefühle sich nach wesentlichen Werten von dir richten. Das bedeutet aber auch, dass sich deine Gefühle für deinen Mann tatsächlich wieder völlig ändern können, wenn er endlich mit diesem Theater aufhört und anfängt tatsächlich ein klares Leben zu führen. Sich jetzt alleine auf fehlende Gefühle zu berufen könnte dich auf einen Weg führen, der letztlich auch für dich sehr verletzend sein kann.

Gruß, Charly
Trotz so manchem Tief das ich erlebt habe, immer noch oder gerade deshalb Christ :Charly-l

susi27

Beitragvon susi27 » Donnerstag 27. November 2008, 20:09

Danke für die guten Worte. Hab erst mal nachgedacht.
Ich hätte wahrscheinlich auch schon längst gehandelt, wenn ich in einer Gemeinde wäre, wo nicht seine Eltern und Schwester mit Familie sind. Die würden mir das Leben zur"Hölle" machen, weil sie ihrem geliebten Sohn nicht Böses zutrauen. Ich weiß nicht, ob ich den Anfeindungen gewachsen wäre, obwohl ich auch viele Freunde habe. Seine Eltern würden wahrscheinlich in Ohnmacht fallen, wenn sie das von ihrem Sohn wüßten und mein Mann würde durchdrehen, wenn seine Eltern das wüßten. Das ist also alles gar nicht so einfach. Ich werde wohl noch mehr dafür beten müssen, denn ich will meinen Mann da nicht bloßstellen.

Es ist alles gar nicht so einfach, wie du siehst.

Susi

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Beitragvon charly » Donnerstag 27. November 2008, 22:27

Das glaube ich dir gerne, dass das nicht so einfach ist. Aber wenn du es von der anderen Seite betrachtest, ist es so, wie es jetzt ist, auch nicht einfach.

Auch wenn du Angst vor dem Schock der Offenbarung hast, denke in Ruhe darüber nach, ob dieser möglicherweise das Potential besitzen könnte, ein heilsamer Schock zu werden. Klar, wenn das offenbar wird, werden so manche enttäuscht sein - eben genau: ent-täuscht (das Ende der Täuschung).
Aber es gilt sorgsam abzuwägen, ob und wie diese Ent-täuschung durchgeführt werden sollte, damit sie - so du das machen willst - nicht nur das Ende besiegelt. Wie kannst du deinem Mann einen heilsamen Ausweg schaffen? Welches Hilfsangebot mag es geben, das du ihm alternativ zu seinem jetzigen Lebensstil vermitteln kannst?
Frage dich, welchen Weg du bereit bist zu gehen, mit welchem Ziel? Ist die Trennung und evtl. Scheidung der einzige Weg den du noch sehen kannst, oder gibt es unter bestimmten Umständen für dich evtl. doch noch eine Möglichkeit für einen weiteren gemeinsamen Weg? Welche Hilfe brauchst du hierbei? Wichtig ist, dass du dazu kommen kannst, Wege aufzuzeigen und nicht nur einfach ein Ende. Ich glaube schon, dass Gott womöglich noch Wege für euch sieht - setz dich mit IHM in Verbindung und forsche nach, ob und was ER für euch hat.

Du solltest dir das gut überlegen und darin auch eine Entscheidungsgewissheit finden, zu der du stehen kannst. Du erreichst nur dann etwas, wenn du klare Botschaften sendest. Botschaften, die Möglichkeiten eröffnen, am Besten. Bist du selber nicht sicher, was du willst und welche Wege du bereit bist zu gehen, wirst du nicht weiterkommen.

Nur eins scheint im Moment Fakt zu sein: so kann es nicht weitergehen, oder?

Eine Alternative fällt mir noch ein:
Wie wäre es, ihm zwei mögliche Wege aufzuzeigen:
  • Eine offene zum Teil gemeinsame Bearbeitung seines Problems mit einem Therapeuten - welche eine Offenbarung vor der Familie evtl. nicht oder nocht nicht erfordert

    oder
  • die Offenbarung innerhalb der Familie.

So kannst du ihm ein Stück der Schamüberwindung anbieten abzunehmen. Nur eins müsste dann klar sein: dass du nicht bereit bist einen Weg zu gehen, in dem er so weiter machen kann wie bisher.

Evtl. fallen dir ja auch noch andere mögliche Angebote ein.

Charly
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Beitragvon BOB » Donnerstag 3. März 2011, 18:06

Hat ein Mann, der eine andere Frau begeehrt im Herzen schon Ehebruch begangen?So wird oft gefolgert, da unser HERR JESUS das sagt.
Aber was meint ER damit?
Wäre es Ehebruch, wäre auch die Strafe norwendig. Davon lese ich nichts.
Auch wird vor dem großen weißen Thron nut die TAT gerichtet, nie der Gedanke.
Aus Jakobus 1 entnehme ich klar:
13. Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott ist unangefochten vom Bösen; er selbst versucht aber auch niemand.
14. Sondern ein jeder wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird.
15. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.


, erst wenn die Tat vollendet wurde, kam der Tod,wurde es also Sünde .
Ich verstehe die Aussage unseres Herrn daher so: Alle Sünde hat in unserem gefallenen Herzen den Ausgangspunkt und hier muß die Änderung erfolgen!
Daher müssen wir einen neuen Geist durch die Wiedergeburt erhalten.

Könnt Ihr zustimmen?
Liebe Grüße BOB

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Beitragvon charly » Donnerstag 3. März 2011, 18:25

Hallo Bob,

in meiner Ausarbeitung hier zum download findest du eine detaillierte Betrachtung dieser Frage.

Zitat:
    Jesus gibt in Matthäus 5:32 und Matthäus 19:9 einen Ausnahmegrund an: Unzucht
    griech. "porneia"
    Bedeutung: Ehebruch, Hurerei, verbotenen sexuellen Verkehr mit jemanden und im übertragenen Sinne Götzendienst.

    Hier lesen wir auch den begrifflichen Unterschied zwischen:
    Hurerei - "porneia"
    und
    Ehebruch - "moicheuo"

    In Vers 28 sagt Jesus:
    Matthäus 5:28 "Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen."
    Hier spricht er von "moicheuo", nicht von "porneia". Das bedeutet, dass der Ehebruch durch begehrliches Anschauen kein Scheidungsgrund ist. Erst wenn dieses Begehren in einer Tat vollendet wird, redet man von "porneia" und hat somit den legalen Scheidungsgrund.
    Mit dieser Rede macht Jesus klar, dass der Ehebruch aus dem Herzen kommt, und nicht "einem aus Versehen passieren" kann


Dein Hinweis auf Jakobus unterstreicht dies nochmal.
Zuletzt geändert von charly am Donnerstag 3. März 2011, 18:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon BOB » Donnerstag 3. März 2011, 18:32

Danke!Das hilft mir! :idea:
Liebe Grüße BOB


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